Regionalkonferenz zur barrierefreien Mobilität fand in Suhl statt
Aktuelle Hürden, zentrale Forderungen und Ergebnisse
"Ohne Umwege zur Teilhabe – Barrierefreiheit als Leitprinzip moderner Verkehrspolitik", unter diesem Motto fand am 10. Juni die 2. Regionalkonferenz im Congress Centrum Suhl statt. Die gemeinsame Veranstaltung von TLMB, der Service Agentur Demografischer Wandel (SADW) im TMDI sowie der LIGA Selbstvertretung e.V. ist Teil des Themenjahres „Barrierefreiheit in Thüringen – Teilhabe für alle“.
Der Einladung waren mehr als 70 Teilnehmende aus Politik, Verwaltung, Verkehrsunternehmen, Verbänden gefolgt sowie Betroffene. Zudem waren mehrere Kommunale Behindertenbeauftragte vor Ort.
Staatssekretär Dr. Tobias J. Knoblich, Thüringer Ministerium für Digitales und Infrastruktur (TMDI) eröffnete die Konferenz mit einem Grußwort.
Barrierefreie Mobilität ermöglicht allen Menschen – unabhängig von körperlichen, sensorischen oder kognitiven Einschränkungen – die gleichberechtigte soziale Teilhabe, ob im Alltag, im Arbeitsleben oder in der Freizeit. In drei Workshops vertiefte die eintägige Regionalkonferenz daher wichtige Fragen zu diesem vielschichtigen Thema.
Den ersten Keynote-Vortrag mit dem Titel „Barrierefreie Mobilität im ländlichen Raum – Im Spannungsfeld zwischen Ressourcenknappheit und Know how“ lieferte Prof. Dr.-Ing. Carsten Kühnel, FH Erfurt.
Ein weiterer Impulsvortrag unter dem Titel „Barrierefreies Reisen mit der Bahn“ – Status quo, Potenziale und Herausforderungen kam von Sascha Wawereck, DB InfraGO AG.
Dieser Beitrag leitete über zum „Bus-Bahn-Gespräch“, einer Talkrunde mit Vertretern von regionalen Verkehrsunternehmen, der Deutschen Bahn (DB InfraGO AG), einem Schweizer Anbieter für barrierefreie Lösungen für Haltekanten und TLMB Dennis Petschner.
Neben dem Team der SADW rund um Referatsleiter Dr. Olaf Zucht, waren Markus Lorenz und Carolin Urban von der Landesfachstelle für Barrierefreiheit des TLMB aktiv bei der Konferenz sowie in den Workshops vertreten.
Zudem nahm Andrea Grassow von der LIGA Selbstvertretung an der Konferenz teil, die in die Vorbereitung und Leitung eines der Workshops eingebunden war.
Herausforderungen bei der Umsetzung von barrierefreier Mobilität in Thüringen:
Unzureichend ausgebaute Infrastruktur, vor allem im ländlichen Raum
C. Urban, Referentin für Verkehr und Mobilität der Landesfachstelle für Barrierefreiheit: „Eine große Herausforderungen ist sicherlich der Ausbau einer durchgehend barrierefreien Infrastruktur. Dazu gehören barrierefreie Haltestellen, Bahnhöfe, Fahrzeuge sowie verständliche Informationssysteme.
Die Hindernisse reichen von nicht funktionstüchtigen Aufzüge und barrierefreien Toiletten über schmale, schlecht beschaffene Wege oder ordnungswidrig parkende Autos auf Behindertenparkplätzen und nicht abgesenkte Bordsteine bis hin zu einem mangelnden Verständnis und der häufig fehlenden Hilfsbereitschaft von Mitmenschen.
Ein weiteres Problem sind fehlende Informationen an den Verkehrsstationen und in den Verkehrsmitteln (audiovisuell, z. B. keine Haltestellenansage).“
Im ländlichen Raum sei das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs häufig deutlich eingeschränkter als in den Städten. Lange Wege zu Haltestellen, geringe Taktungen und fehlende Alternativen erschweren die selbstständige Mobilität von Menschen mit Behinderungen, älteren Menschen oder Personen mit eingeschränkter Mobilität. Zudem sind vielerorts Haltestellen nicht barrierefrei ausgebaut.
Dies unterstrich auch Andrea Grassow, LIGA Selbstvertretung e.V.:
„Die größten Hürden bei der Umsetzung barrierefreier Mobilität liegen nach wie vor in unterbrochenen Mobilitätsketten. Barrierefreiheit wird häufig an einzelnen Punkten umgesetzt, aber nicht konsequent vom Start bis zum Ziel gedacht. Für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen ist jedoch die gesamte Reisekette entscheidend."
Dieser Umstand wurde auch im Praxisworkshop „Schwachstellen entlang der Mobilitätskette erkennen“ deutlich, so Grassow. Bereits im Vorfeld waren die Teilnehmenden eingeladen, ihre Anreise nach Suhl anhand einer Checkliste zur Barrierefreiheit zu bewerten. Von den rund 70 Teilnehmenden beteiligten sich 26 Personen an dieser Erhebung. Weitere 29 Personen brachten ihre Erfahrungen in einer ergänzenden Kurzbefragung während des Workshops ein.
Zentrale Forderungen der 2. Regionalkonferenz
Im Rahmen der Workshops und Diskussionsrunden wurden u.a. verbindliche Standards für die Barrierefreiheit, eine stärkere Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen, eine verlässliche Finanzierung gefordert sowie eine Vernetzung über die Grenzen von Thüringen hinaus, um voneinander zu lernen.
Zudem sollten Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen nicht vergessen werden. Allgemein wurde der Wunsch nach mehr Rücksichtnahme in der Gesellschaft geäußert.
Rückblickend wurde das Thema Barrierefreiheit von allen Beteiligten der Konferenz als wichtige Zukunftsaufgabe angesehen: Barrierefreiheit sollte nicht als Sonderthema betrachtet werden, sondern als grundlegender Bestandteil einer modernen Mobilität für alle, so der Wunsch der Teilnehmenden.
Die einzelnen Vorträge finden auf den Seiten der SADW.